Anspruch auf Ganztagsbetreuung in Bayerns Grundschulen: Plätze nicht überall ausreichend
Mit dem neuen Schuljahr gilt auch in Bayern das Recht auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler. Das kann Frauen helfen, ihren Beruf vollzeitnah auszuüben. Doch das Angebot an Betreuungsplätzen reicht nicht überall aus.

Das Wichtigste auf einen Blick:
- Ab dem Schuljahr 2026/2027 haben Erstklässler erstmals Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Dieser wird in den kommenden vier Jahren schrittweise auf alle Grundschüler ausgeweitet.
- Bayern liegt mit einem elterlichen Betreuungswunsch von 43 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt von 65 Prozent. Dieser Bedarf wird noch nicht von den vorhandenen Kapazitäten abgedeckt.
- Mehr Ganztagsangebote sind auch wirtschaftspolitisch relevant. Sie ermöglichen höhere Frauenerwerbstätigkeit und wirken so dem Fachkräftemangel entgegen.
Mit dem beginnenden Schuljahr haben erstmals Erstklässler Anspruch auf Ganztagsbetreuung – in Bayern wie im übrigen Bundesgebiet. Grundlage ist das Ganztagsförderungsgesetz, das der Bund 2021 verabschiedet hat.
Die gute Nachricht für den Freistaat: Nach Angaben von Bayerns Familienministerin Ulrike Scharf haben die Kommunen „beim Ausbau schon viel erreicht“. In vielen Regionen dürften die Betreuungsangebote für Erstklässler ausreichen. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. Voraussichtlich wird deshalb nicht überall jedes Kind den von den Eltern gewünschten Platz bekommen.
Betreuungsbedarf in Bayern unter dem Bundesdurchschnitt
Der Anspruch für die Erstklässler ist zudem nur der erste Schritt: In den kommenden Schuljahren wird er auf Zweit-, Dritt- und Viertklässler ausgeweitet. Ab dem Schuljahr 2029/30 haben dann alle Grundschüler Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Bis dahin müssen die Kommunen entsprechend weitere Plätze schaffen.
Doch wie viele Eltern wünschen sich überhaupt eine Ganztagsbetreuung für ihre Grundschulkinder? Dieser Frage ist zuletzt Wido Geis-Thöne nachgegangen, Ökonom für Familienpolitik am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Seine Untersuchung zeigt: In Bayern wird insgesamt nur für 43 Prozent der Grundschulkinder ein Betreuungsplatz vonseiten der Eltern gewünscht. Der Anteil liegt deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 65 Prozent.
Setzt man den gewünschten Betreuungsbedarf mit den vorhandenen Kapazitäten ins Verhältnis, zeigt sich eine Lücke: In den vergangenen Jahren reichten die Plätze in bayerischen Ganztagseinrichtungen nur für 34 Prozent der Grundschulkinder aus. Die Kommunen müssen den Ausbau der Betreuungsangebote daher weiter vorantreiben. In Bayern heißt das vor allem: Mehr Hortplätze müssen her.

Mehr Ganztagsplätze für mehr Erwerbstätigkeit von Frauen
Horte sind die häufigste Betreuungsform in Bayern. Freie Träger der Jugendhilfe organisieren dort Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und weitere Angebote. Häufig befinden sich die Einrichtungen in Gebäuden außerhalb der Schulen; in der Regel bieten sie auch ein Ferienprogramm an. Als Ganztagsbetreuung gilt eine Betreuung von mindestens acht Stunden täglich. In diese Zeit wird der Schulunterricht eingerechnet.
Ein Blick auf Bayerns Regionen zeigt, dass Angebot und Nachfrage unterschiedlich ausfallen. Laut Ökonom Geis-Thöne gibt es sowohl ein Nord-Süd- als auch ein Stadt-Land-Gefälle: In Nordbayern sowie den Stadtregionen nutzen Familien häufiger institutionelle Kinderbetreuung als in Südbayern und auf dem Land.
Warum aber ist ein Anspruch auf Ganztagsbetreuung wichtig? Es ist so, dass zwischen dem Betreuungsangebot und der Erwerbstätigkeit von Frauen ein enger Zusammenhang besteht. Das zeigt etwa auch die Prognos-Studie, die die Bayerische Staatsregierung 2023 zur Ermittlung des Betreuungsbedarfs in Auftrag gegeben hat. Schließlich übernehmen Frauen nach wie vor einen großen Teil der „Care-Arbeit“ wie die Kinderbetreuung. Grundsätzlich gilt: Je mehr Stunden Mütter arbeiten möchten, desto umfangreicher ist häufig ihr Bedarf an außerhäuslicher Betreuung. Fehlen Betreuungsplätze, kann das die Möglichkeit einschränken, die eigene Arbeitszeit auszuweiten.
50,3 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Bayern arbeiteten 2024 in Teilzeit
Quelle: vbw
Derzeit arbeitet gut die Hälfte der Frauen in Bayern in Teilzeit. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) sieht diese Entwicklung kritisch. Mütter verpassen so möglicherweise Karriere- und Aufstiegschancen – auch in höhere Gehaltsgruppen. Das kann sich negativ auf späteren Rentenansprüche auswirken.
Von einer höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen würden jedoch nicht nur die Familien profitieren. Auch die Wirtschaft könnte daraus Nutzen ziehen: Wenn mehr Frauen berufstätig sind, wirkt das auch dem Fachkräftemangel entgegen, unter dem viele Unternehmen leiden.
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