Wagner Brandschutz: Wie ein Familienunternehmen Feuer weltweit verhindert
Vor 50 Jahren gründete Werner Wagner eine kleine Elektronikfirma in Langenhagen. Heute schützt die Technologie seines Familienunternehmens Museen, Lager und Rechenzentren auf der ganzen Welt vor Feuer.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Werner Wagner ignorierte den Rat eines Beraters und gründet 1976 eine kleine Firma.
- Mit einer neu entwickelten Technologie, bei deren Einsatz Feuer unter definierten Bedingungen gar nicht erst entstehen kann, veränderte das Unternehmen den Brandschutz.
- Heute produziert Wagner Brandschutz Technologie, die weltweit Lager, Eisenbahnen und Rechenzentren schützt.
„Lassen Sie das bloß sein!“ Diesen Satz eines Gründungsberaters hat Werner Wagner heute – ein halbes Jahrhundert später – noch im Ohr. 1976 riet ihm der Mann dringend von der Gründung einer eigenen Firma ab. Doch was in dessen Ohren klang wie die Träumereien eines jungen Elektroingenieurs, entwickelte sich im Lauf der Zeit zu einem der weltweit führenden Anbieter für Brandschutzlösungen. Die Anlagen des Familienunternehmens Wagner aus Langenhagen schützen inzwischen Rechenzentren, Museen und Archive. Sie sind in den Tiefkühllagern von Dr. Oetker ebenso zu finden wie in der British Library und in kasachischen Eisenbahnen.
Hätte man Werner Wagner das vor 50 Jahren vorausgesagt, er hätte vermutlich nur den Kopf geschüttelt. „Ich bin erst über den zweiten Bildungsweg Ingenieur geworden und war schon 30, als ich endlich mein Studium der Nachrichtentechnik beendet habe“, berichtet der heute 80-Jährige.
Vom Ein-Mann-Betrieb zum Schutz für Daten und Kulturgüter
Während des Studiums jobbt er bei einer Firma, die Einbruchmeldeanlagen herstellt. Ihm gefällt die Arbeit. Und er erkennt das Potenzial. „Ich beschloss, mein eigenes Unternehmen in dieser Branche aufzubauen“, sagt Wagner. Er trotzt der Warnung des Beraters – und gründet.
In den ersten Jahren sucht das junge Unternehmen nach seiner Nische. Kurz nach der Gründung verlagert sich der Schwerpunkt: von der Einbruchmeldetechnik auf die anspruchsvollere Freilandüberwachung – also Sicherheitstechnik, mit der Außenbereiche vor unbefugtem Betreten geschützt werden können.
Vom Einbruchschutz zum Großauftrag in Gorleben
Anfang der 80er landet Wagner dann einen Coup: Bei einer großen Ausschreibung setzt sich die kleine Firma aus Niedersachsen gegen Branchenriesen wie AEG und Grundig durch – und erhält den Zuschlag für die Überwachung des Atommüll-Zwischenlagers Gorleben. Ein Auftrag mit einem Millionen-Volumen. „Plötzlich wollten alle im Markt wissen: Wer ist denn das?“, sagt Wagner.
Die Fähigkeit, technische Lösungen für schwierige Aufgaben zu entwickeln, wird zum roten Faden in der Unternehmensgeschichte. Mitte der 1980er Jahre konstruiert Wagner eine unsichtbare Freilandüberwachung für eine Bank – ein Auftrag, an dem größere Firmen bereits gescheitert sind. Kurz darauf brennt es im Rechenzentrum des Kreditinstituts. Die Chefs fragen bei Wagner an: Könnt ihr auch Brandschutz? Die Firma nimmt die Herausforderung an. Und entwickelt ein System, das die Luft direkt an den Rechnern ansaugt, anstatt – wie damals üblich – die Raumluft an der Decke zu überwachen.
Warum ein Brandmelder an der Decke zu spät sein kann
„Mit diesem Konzept bin ich losgezogen“, beschreibt Wagner seine damalige Marketingtour durch Unternehmen. Um zu demonstrieren, wie herkömmliche Brandmeldeanlagen arbeiten, stellt er in einem Serverraum eine qualmende Imkerpfeife auf einen Rechner. Die Rauchwolke steigt auf – doch der Melder unter der Decke bleibt stumm. Die Botschaft: Um einen Brand schon frühzeitig zu entdecken, braucht es neue Lösungen.
„Entscheidend ist die Bereitschaft, kontinuierlich zu investieren – in Innovationen und Arbeitsplätze“
Werner Wagner
Und die hat die Firma. Es dauert ein wenig, aber schließlich setzt sich die neue Technik durch. „Wenige Jahre später waren unsere Anlagen in nahezu allen großen Rechenzentren Deutschlands installiert“, sagt Wagner. Das Unternehmen konzentriert sich fortan komplett auf den Brandschutz und bietet neben der Ansaugrauchmeldetechnik nun parallel auch Löschtechnik an. Hier kommt Stickstoff als Löschgas zum Einsatz: ein Gas, das später auch die Grundlage einer neu entwickelten Technologie bildet, bei deren Einsatz Feuer unter definierten Bedingungen gar nicht erst entstehen kann.
Brandschutz in Deutschland: Milliardenmarkt mit Nachfrage
Rund 200.000 Brände ereignen sich nach Angaben des Deutschen Feuerwehrverbands jährlich in Deutschland. Der Bedarf an Brandschutz ist hoch, vor allem bei Unternehmen. Die deutschen Brandschutz-Hersteller entwickeln und produzieren Lösungen, die Menschen und Anlagen vor Feuer und Rauch schützen. Ihr Angebot reicht von Brandschutztüren, Abschottungen und feuerbeständigen Baustoffen bis zu Brandmelde-, Lösch- und Rauchabzugsanlagen. Die Branche ist stark durch gesetzliche Vorgaben geprägt und muss ständig auf neue Entwicklungen reagieren – etwa durch neue Produktionsverfahren oder den Ausbau der Batterietechnik. Laut einer Prognose der Beratung S&B Strategy steigt das Marktvolumen für technischen Brandschutz auf einen Rekord von 6,5 Milliarden Euro.
Wie weniger Sauerstoff Brände verhindern kann
Das System OxyReduct zählt noch heute zu den tragenden Säulen im Portfolio der Unternehmensgruppe. Die Anlage senkt den Sauerstoffgehalt in geschützten Bereichen kontrolliert ab. Menschen können sich weiterhin dort aufhalten, für die Entstehung oder Ausbreiung eines Brandes ist die Luft unter definierten Bedingungen aber zu dünn. Mit Rechenzentren fing die Erfolgsstory einst an. Und noch heute sind Datacenter – dem Boom der künstlichen Intelligenz sei Dank – einer der Wachstumsmärkte des Unternehmens, das mit seinen Produkten inzwischen mehr Geld im Ausland erwirtschaftet als auf dem Heimatmarkt.
Warum der Gründer Gewinne im Unternehmen lässt
Was war entscheidend für den Erfolg? Über eine Antwort muss Werner Wagner nicht lange nachdenken: die Bereitschaft, „kontinuierlich zu investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben und Arbeitsplätze zu schaffen“. In der öffentlichen Debatte kommt ihm diese unternehmerische Arbeit oft zu kurz. „Viele denken: Da gründet einer und nach fünf Jahren rollt er mit dem Porsche auf den Hof“, sagt er. Die Realität war für ihn eine andere: „Wir haben 30 Jahre gebraucht, um überhaupt ein Stück unabhängig von den Banken zu werden.“
Das Unternehmen
- Wagner entwickelt und realisiert ganzheitliche Brandschutzlösungen für unterschiedliche Einsatzbereiche.
- Das Unternehmen konzentriert sich vor allem auf Branderkennung, Brandvermeidung, Brandbekämpfung und Gefahrenmanagement – etwa für Rechenzentren, Lager und Logistik, Produktionsstätten, Archive, Museen und Schienenfahrzeuge.
- Wagner hat seinen Hauptsitz in Langenhagen bei Hannover. Weltweit beschäftigt Wagner rund 800 Mitarbeitende und ist in 15 Ländern vertreten.
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